Dänen kaufen Wohnungsbestand
Von Silke Müller

Neuhardenberg (MOZ) Die dänischen Investoren, die bereits das Flugplatzgrundstück in Neuhardenberg gekauft haben, werden jetzt auch den restlichen Immobilienbestand der insolventen Grundwert Brandenburg GmbH erwerben. Darauf haben sich der Insolvenzverwalter Rolf Nacke und das dänische Unternehmen Airport Development A/S verständigen können, informierte das Anwaltsbüro Nacke und Leffler. Der notarielle Kaufvertrag ist am 21. Dezember in Berlin von beiden Parteien unterzeichnet worden. Zum Stichtag 31. Dezember gehen Nutzen und Lasten auf die neuen Eigentümer über. Nach Angaben des Insolvenzverwalters werden die Mieter über diesen Vorgang schriftlich benachrichtigt. Damit wechseln nicht nur die Wohnkomplexe in der Neuhardenberger Friedrich-Engels- und Ernst-Thälmann-Straße ihren Eigentümer, sondern auch Wohnungen in Sonnewalde und Peenemünde auf Usedom. "Die bisher weitestgehend unsanierten Gebäude weisen einen erheblichen Leerstand auf oder sind gänzlich unvermietbar", teilt Insolvenzverwalter Raeke mit. Es sei jedoch nach der Verfahrenseröffnung gelungen, mit der VEGA-Hausverwaltung die Grundstücksverwaltung zu verbessern und mit den Versorgern günstigere Konditionen auszuhandeln.

Die dänischen Investoren verfügen nach Einschätzung des Insolvenzverwalters nun in Neuhardenberg mit Flugplatz, Grundstücken und Wohnungen über die nötigen Ressourcen, um ihr Investitionskonzept für die Region zügig voranzutreiben. "Die Neuordnung stößt für die Region und den Wirtschaftsstandort Neuhardenberg eine fast schon verschlossenen Tür wieder auf", bewertet Insolvenzverwalter Rolf Nacke die neue Situation. "Nun sind die Dänen am Zug und müssen ihren Ankündigungen Taten folgen lassen."

Der Rechtsanwalt Norbert Raeke, der bereits als Vertrauter für Dieter Vornhagen die Flugplatzgeschäfte führte, als dieser am Jahresanfang wegen möglichen Subventionsbetruges in Untersuchungshaft genommen wurde, hatte unlängst informiert, er sei von den dänischen Investoren beauftragt, deren deutsche Niederlassung in Neuhardenberg aufzubauen. Vor Neuhardenberger Gewerbetreibenden beschrieb Raeke dabei auch im Groben die Pläne der Investoren: Die unausgebauten Wohnungen sollen saniert werden, wenn sie für entstehende Arbeitsplätze gebraucht werden. Eine internationale Hochbegabten-Schule mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung, für deren etwa 200 Schüler Spezialisten als Lehrer eingeflogen würden, sei für den bebauten Bereich jenseits der B 167 in der Überlegung. Zudem gäbe es erste Kontakte mit Kleinjet-Produzenten und mit Luftschiffbauern am Bodensee.

Märkische Oderzeitung, 27. Dezember 2007 (19:07)
 
Flugplatz Neuhardenberg in dänischer Hand


Berlin (MOZ) "Wir sind da", sagt Michael Agaled. Der 44-Jährige gehört zu der dänischen Investorengruppe, die am Mittwoch in einer Berliner Kanzlei den notariellen Kaufvertrag für den Flugplatz, mehrere hundert Wohnungen und das Bürgerhaus in Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) sowie große Teile des Flugplatzes von Fürstenwalde (Oder-Spree) unterschrieben haben. Für diesen Zweck haben die Dänen eigenes eine Aktiengesellschaft gegründet: die Airport Development AG mit Sitz in Kopenhagen.

Neuhardenberg sei ihr erster Flugplatz, sagt Agaled, der unter anderem Immobilien in Berlin und Leipzig sowie in Tschechien, Schweden und Dänemark besitzt. Er sei deshalb so interessant, weil die Flugplätze in Berlin-Tegel und -Tempelhof in absehbarer Zeit schließen würden und der BBI in Schönefeld mit einem prognostizierten Passagieraufkommen von 25 Millionen pro Jahr keine Alternative für Privatflieger sein könne. "Die brauchen im Umkreis von Berlin andere Flugplätze", ist sich der Kaufmann aus Kopenhagen sicher.

"Airport Development geht es nicht um Passagierflugverkehr in Neuhardenberg", betont Dieter Vornhagen sogleich. "Es geht um Technologie, Produktion und kommerzielle Immobilienerträge." Die Entwicklung des Flugplatzes werde "in engster Zusammenarbeit" mit der Luftfahrtbehörde und dem BBI erfolgen, sagt der Geschäftsführer der insolventen Grundwert Berlin-Brandenburg, die den Flugplatz sechs Jahre betrieb und lange Zeit hoffte, Billigflieger würden den 70 Hektar großen ehemaligen NVA-Landeplatz zu neuem Leben erwecken.

Für eine Übergangszeit von ein paar Monaten wird Vornhagen noch als Berater für die dänischen Investoren fungieren. "Herr Vornhagen kennt sich hier bestens aus", sagt Michael Agaled. Darüber hinaus arbeiten Experten aus allen Teilen der Welt bereits an einem Konzept für Neuhardenberg - "aufbauend auf den alten Plänen", ergänzt Vornhagen. "In drei, vier Monaten", so schätzt Agaled, werde man wissen, wohin die Reise im Einzelnen gehe. Erst dann sei auch die Zeit gekommen, über Arbeitsplätze zur reden. "Dafür ist es jetzt noch viel zu früh", sagt der Däne. "Wir wollen nicht in der Öffentlichkeit stehen. Wir wollen privat sein, Geschäfte machen und ein gutes Produkt", fügt er hinzu. Unterdessen ist Vornhagen davon überzeugt, dass die dänischen Investoren Neuhardenberg insgesamt einen deutlichen Entwicklungsschub bringen werden. "Unsere Arbeit von sechs Jahren war nicht umsonst", ist er zufrieden.

Märkische Oderzeitung, 7. November 2007 (18:39)
 
Bürgerinitiative gibt den Kampf nicht auf

Neuhardenberger enttäuscht über Flugplatz-Betreiber / Hoffnung auf neue Projekte
JEANETTE BEDERKE (MAZ: 20. Februar 2007)

NEUHARDENBERG Sie waren stets an seiner Seite: Mehrere Dutzend Männer und Frauen der Neuhardenberger Bürgerinitiative "Pro Airport" begleiteten Flugplatz-Besitzer Dieter Vornhagen beim Kampf um den Ausbau des 700 Hektar großen ehemaligen DDR-Regierungsflughafens für große Charter-Maschinen. Auf ihr Engagement hin kamen Politiker zu Gesprächen, sie waren dabei, wenn sich potentielle Investoren umschauten, sie stärkten Vornhagen auch in der Auseinandersetzung vor Gericht den Rücken.

Jetzt sitzt der umtriebige Unternehmer aus Dortmund wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug in anderer Sache in Untersuchungshaft und die Neuhardenberger sind in ihren Bemühungen um den wirtschaftlichen Aufschwung der Region plötzlich auf sich allein gestellt. "Der erste Schock ist verdaut", konstatiert Sabine Töpfer von der Bürgerinitiative, die zugibt, von Vornhagen enttäuscht zu sein - auch wenn seine Schuld noch nicht erwiesen sei. "Wir haben sein Handeln auch kritisch begleitet, uns nicht vor jeden Karren spannen lassen", verteidigt Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska. Ganz unerwartet kam Vornhagens Straucheln seiner Ansicht nach nicht. "Viele haben sich gefragt, wie er die ganzen Aktionen inklusive Flugplatzfest und Bürgerhaus finanziert." Verteufeln will Eska den Flugplatz-Betreiber nicht, schließlich habe der auch Verdienste im Ort. So habe Vornhagen Wohnungen übernommen und modernisiert.

Letztlich habe die Bürgerinitiative immer den Flugplatz-Ausbau unterstützt, nicht aber eine bestimmte Person, ergänzt Sabine Töpfer. Auch künftig begleite man jedes Projekt, was Arbeitsplätze bringe. "Der Betreiber des Flugplatzes spielt dabei natürlich eine Schlüsselrolle", betont Uwe Hädicke, Sprecher der Bürgerinitiative. Glücklicherweise habe Vornhagen mit Rechtsanwalt Norbert Raeke einen Bevollmächtigten seiner Neuhardenberger Firmen eingesetzt, so dass man weiterhin einen Ansprechpartner besitze.

"Hauptaufgabe ist es jetzt, eine drohende Insolvenz dieser Unternehmen und damit des Flugplatzes abzuwenden. Das wäre sonst der Supergau", beschreibt Hädicke. Große Hoffnungen setzen die Neuhardenberger in neue, seriöse Investoren, allen voran die Zeppelin Europe Tours Holding aus Friedrichshafen, die auf dem Flugplatzgelände eine Luftschiffwerft mit bis zu 200 Arbeitsplätzen bauen will. Zudem sollen sich spanische Investoren für den Bau von Solaranlagen in Neuhardenberg interessieren. Gedacht sei auch an ein Technologiezentrum auf einem ehemaligen Kasernengelände und eine Fußballschule für Kinder.

Die Bürgerinitiative selbst will nicht untätig zuschauen. Brandenburgs Verkehrsminister Reinhold Dellmann soll zu Gesprächen eingeladen werden, damit der ehemalige DDR-Regierungsflughafen zumindest als Verkehrslandeplatz in das Luftverkehrskonzept des Landes Brandenburg aufgenommen wird.
 
Bürgerinitiative kämpft weiter für Flugplatz

Neuhardenberg (dos/MOZ) Angesichts der aktuellen Ereignisse um den Flugplatzbetreiber Dieter Vornhagen - die Staatsanwaltschaft Rostock hat ihn wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug bei der Modernisierung von Häusern in Güstrow in Untersuchungshaft genommen - kam die Bürgerinitiative Pro Airport am Montag Abend zu einer Sonderberatung zusammen. "Wir sind natürlich alle betroffen", so Sprecher Uwe Hädicke. In einer Erklärung hat die Initiative zugleich deutlich gemacht, dass "die Geschäftstätigkeit der GWB Grundwert Brandenburg GmbH zu keiner Zeit Gegenstand unserer Arbeit" war. Seien Probleme bekannt geworden, habe man die Vornhagen gegenüber immer kritisch angesprochen. Viele Mitstreiter würden sich bereits seit 1992 für die Reaktivierung des Flugplatzes einsetzen, unabhängig des Betreibers. Das Verfahren drehe sich zudem nicht gegen den Flugplatz, sondern einzig um Wohnungen in Güstrow.

Auch Bürgermeister Mario Eska will das örtliche Engagement und die möglichen juristischen Verstrickungen des Betreiber getrennt wissen. "Es ging nie um Dieter Vornhagen, sondern immer um den Flugplatz und die damit verbundenen Jobs", betont der Bürgermeister. Wenn es Ungereimtheiten gegeben habe, müsse die Justiz diese natürlich restlos aufklären, zumal es um den Verdacht des Subventionsbetruges geht. "Das wäre ein Betrug an uns alle", sieht es Eska. Dennoch werde man weiter um den Flugplatz kämpfen. Das hat auch die Bürgerinitiative am Montag beschlossen.

Dienstag, 06. Februar 2007 (18:48)
 

NEUES DEUTSCHLAND VOM 02.01.07
Noch nichts Neues für Neuhardenberg - Schon seit Jahren ringt der Flugplatz vergeblich um eine Landeerlaubnis für große Maschinen
Von Andreas Fritsche

Noch steht das Auto an der Ampel. »Zukunft für das Oderland« steht am Rand auf dem in der Heckscheibe angebrachten Aufkleber. Als der Pkw losfährt, ist nur noch der größer gedruckte Schriftzug in der Mitte zu lesen: »Ja zum Flughafen!« Jetzt biegt das Auto links ab in die Oderbruchstraße. Der Weg führt zum Neuhardenberger Airport. Die Aufkleber der Bürgerinitiative Pro Airport Neuhardenberg pappen auch an den Schaufenstern von Geschäften. Das Thema ist wichtig hier. Es geht um die irische Billigfluglinie Ryanair, um viele Arbeitsplätze, um die Zukunft der Gemeinde. Aber auch um die Zukunft der Region. Da ist es kein Zufall, dass der Sprecher der Bürgerinitiative, Uwe Hädicke, gar nicht in Neuhardenberg wohnt, sondern in Seelow. Allerdings ist Hädicke nur weggezogen. Mit dem Flugplatz ist er »groß geworden«.

Spuren der MiG-21
Die militärische Vergangenheit ist noch immer unübersehbar. Entlang der Rollbahnen gruppieren sich grasbedeckte Hügel mit geöffneten Metalltoren und Wallanlagen. Es handelt sich um alte Stellplätze für Kampfflugzeuge vom Typ MiG-21, bekanntlich aus sowjetischer Produktion. Anstatt des üblichen Towers verfügt Neuhardenberg über eine bunkerähnliche Flugleitzentrale. Unscheinbar sind die mit Holz abgedeckten Vertiefungen neben der Start- und Landebahn. Heiko Schlotte weiß, dass sich dort früher die Stationen befanden, von denen die MiGs betankt wurden. Schlotte kennt sich aus. Er kam im Juni 1974 nach Neuhardenberg, das damals Marxwalde hieß. Schlotte diente sich beim Bodenpersonal vom Zugführer hoch zum Major, war zuletzt stellvertretender Kommandeur des Fliegertechnischen Bataillons 8, das hier neben der Regierungsstaffel stationiert war. Der definierte Kampfauftrag damals: Schutz der Hauptstadt der DDR, des Petrolchemischen Kombinats in Schwedt und der Stahlindustrie in Eisenhüttenstadt.

Mittlerweile arbeitet Schlotte für den privaten Flugplatz-Eigentümer Dieter Vornhagen. Gegner ist aktuell nicht mehr die NATO, sondern die Landesregierung in Potsdam. Die sperrt sich dagegen, dass die irische Billigfluglinie Ryanair ihre gegenwärtig zwei Maschinen aus Schönefeld abzieht und sich im großen Stil in Neuhardenberg engagiert.

Landen, Tanken, Starten
Das Konzept von Ryanair ist schnell erklärt: Landen, Aussteigen, Einsteigen, Auftanken und wieder starten innerhalb von 25 Minuten, dadurch mehr fliegen und billiger sein als die Konkurrenz. Doch spätestens wenn der Großflughafen 2011 fertig ist, werde das in Schönefeld nicht mehr möglich sein, erläutert Dieter Vornhagen, warum Ryanair eines Tages an seine Bürotür klopfte. Um Neuhardenberg für Ryanair fit zu machen, müsste nicht allzu viel getan werden. Die Beleuchtungsanlage für den Anflug bei Nacht wäre zum Beispiel zu reparieren und ein Terminal fehlt noch. Aus dem fahrenden Pkw zeigt Schlotte, wo die Abfertigungshalle hin soll: neben die Flugleitzentrale könnte man den Bau setzen und dabei ein altes Kantinengebäude mit Aufenthaltsräumen für die Jagdflieger einbeziehen. Die Landebahn wirkt etwas holperig, ist aber mit 2400 Metern lang genug. Wo früher Iljuschin und Tupolew aufsetzten und später Jumbo-Jet und Airbus, da sind die 80 Tonnen schweren Boing 737-800 aus der Flotte von Ryanair ein Klacks. Aber seit 1993 sind hier nur noch 40 Tonnen erlaubt und die Luftverkehrsbehörde weigert sich, die früheren Verhältnisse wieder zu genehmigen.

Zwar versprach Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei einem Besuch in der Gemeinde Hilfe. Gemeint war da aber nur die Suche nach anderen Investoren. Nach Auskunft von Regierungssprecher Thomas Braune will das Kabinett lediglich die »gesetzlich mögliche Unterstützung« leisten, falls Firmen in Neuhardenberg investieren möchten und dies auch nur »unter Beachtung der landesplanerischen Vorgaben«. Das heißt im Klartext: Freiwillig gibt es kein grünes Licht für Ryanair.

Schönefeld lässt eine Lücke
Dieter Vornhagen ließ die Hoffnung auf eine politische Lösung inzwischen fahren und will eine juristische Entscheidung. Vor einigen Wochen beantragte er die Wiederaufnahme des zwischenzeitlich ruhenden Verfahrens am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Mit einem Termin rechnet Vornhagen im ersten Quartal 2007. Dabei betont der Airport-Chef, dass er Schönefeld keine Konkurrenz machen, sondern in eine Lücke stoßen wolle. Vornhagen rechnet vor: »360 000 Starts und Landungen pro Jahr genehmigte das Bundesverwaltungsgericht dem Großflughafen. Berücksichtigt man das Nachflugverbot, dann ergibt das eine Flugbewegung pro Minute. Um 18 Millionen Passagiere jährlich abzufertigen, müssen also in jeder Maschine mindestens 100 Personen sitzen. Für eine kleine Cessna ist da kein Platz mehr.«

Hoffnung auf 550 Jobs
Ist der Flughafen am Ende, wenn Ryanair nicht kommen darf? »Der Flughafen geht nicht Pleite, die Region geht Pleite«, warnt Vornhagen. Für den Kreis Märkisch-Oderland handelt es sich um das größte Infrastrukturprojekt. Im Verwaltungsgebäude des Flughafens stapeln sich die Bewerbungen. 2300 Schreiben sind eingegangen. Die Palette reiche vom Hilfsarbeiter bis zum Ingenieur, erzählt Schlotte. Da sind Leute dabei, die einst hier ihre Brötchen verdienten, wegen der Arbeitslosigkeit nach Bayern zogen und nun zurück wollen. Seit 1990 gingen von 4000 Einwohnern 1700 weg. Viele Wohnungen stehen leer. 2500 Leute waren zu DDR-Zeiten am Militärflughafen tätig: Offiziere, Soldaten und Zivilbeschäftigte. Heute hat Vornhagen 20 Mitarbeiter. Von Ryanair verspricht man sich 550 Jobs.

Was das für eine Gegend mit sehr hoher Erwerbslosenquote bedeutet, kann sich nicht zuletzt der ehrenamtliche Bürgermeister Mario Eska (Linkspartei) gut vorstellen. Der gelernte Feinmechaniker ist selbst seit Jahren ohne Stelle. Fluglärm ist hier angesichts solcher Tatsachen geradezu erwünscht. Es meldete sich bisher niemand im Ort, der das anders sieht, versichert Eska. Traumhafte Bedingungen für Airlines. Die Frage ist, ob es beim Träumen bleibt.

Per Aufkleber eine Zukunft einfordern

Letschin/Neuhardenberg (sm/MOZ) Die Gemeindevertreter von Letschin haben sich ohne Ausnahme der Resolution angeschlossen, die Ende vergangener Woche von mehr als 50 Teilnehmern von Kommunen, Verbänden und Vereinen auf Initiative der Bürgeraktion Pro Flughafen Neuhardenberg beschlossen worden war. Wie während der Beratung der Abgeordneten erklärt wurde, habe man schon früher der Bürgeraktion Unterstützung zugesichert, und auch in diesem Falle stimme man den Forderungen zu.

In der Resolution war ein ernst gemeintes Bekenntnis zur Zukunft des Oderlandes von der Landesregierung gefordert worden. Um dies deutlich zu machen, solle die Landesregierung einen Berater an die Seite des Ministerpräsidenten stellen, der für die wirtschaftliche Entwicklung im Oderland zuständig sei. Gefordert wurde zudem, dass die im Oderland vorhandenen wirtschaftlichen Potenziale auch genutzt werden dürfen. Am Beispiel eines möglichen Flughafens Neuhardenberg werde zurzeit deutlich, dass die Landesregierung eine nicht mehr hinnehmbare Hinhaltetaktik in Sachen Genehmigungen praktiziere (MOZ berichtete am Sonnabend).

Der Resolution der Bürgeraktion und dem Aufruf, sich für eine Zukunft des Oderlandes einzusetzen, kann sich übrigens jeder anschließen. Und wer will, kann das auch dokumentieren. Die Bürgeraktion hat eine Aufkleber-Aktion in Verbindung mit Geschäften und Firmen gestartet, die vom Handelsverband Berlin-Brandenburg unterstützt wird. Mit ihrer Beteiligung an dieser Start-Aktion machte Christine Minkley vom Handelsverband deutlich, "dass auch der Einzelhandel Vorhaben, die Sinn für die Verbesserung der Arbeitsmarktsituation im Oderland machen, bei den Mitgliedern ihres Verbandes Unterstützung finden".

Ziel der Aufkleber-Aktion sei es, so die Bürgeraktion Pro Flughafen Neuhardenberg, einen Beitrag zur Identitätsstiftung der hier lebenden Menschen mit der Region zu leisten. Bei einer ersten Testaktion in Neuhardenberg, Letschin und Seelow haben von 10 befragten Geschäftsinhabern 8 diesen Aufkleber an ihre Eingangstür geklebt. Von 10 befragten Autofahrern klebten sich 6 diesen Aufkleber auf ihr Kfz.

Ab sofort kann man in der REWE-Kaufhalle in Neuhardenberg diese Aufkleber empfangen, wer sich per e-Mail meldet, dem wird die gewünschte Stückzahl auch gern zugeschickt (Mail: proairport@gmx.de)

Montag, 13. November 2006 (17:46)
 
Arbeit gegen den Exodus des Oderlandes
Von Silke Müller

Neuhardenberg (MOZ) Auf Initiative der Bürgeraktion Pro Flughafen Neuhardenberg ist am Donnerstagabend von zahlreichen Vertretern der Kommunen und Ämter des Oderlandes, von Vereinen, Verbänden, sozialen und wirtschaftlichen Organisationen eine Resolution abschiedet worden. Darin wird von der Landesregierung Brandenburgs gefordert, einen Oderland-Beauftragten zu benennen.

Der Ton war gemäßigt, aber eindeutig, als einerseits über die Situation im Oderland gesprochen und andererseits nach praktikablen Wegen gegen den drohenden Exodus eines ganzen Landstriches gesucht wurde. Deutlich wurde, dass neue, zukunftsträchtige Arbeitsplätze im Oderland das A und O sind, um die Abwanderung vor allem junger Menschen aus der Region zu stoppen. Gemeint ist damit längst das gesamte Oderland. Neuhardenberg, von wo die jetztige Initiative ausgeht, steht nur als drastisches Beispiel für eine übergreifende Entwicklung, als "symbolisches Objekt für die Verhinderung einer Entwicklung, die möglich wäre", wie Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska es formulierte. Man müsse die Landesregierung "offenbar zur Jagd tragen", erklärte er, damit sie das so oft beschworene Stärken der Stärken von Brandenburg auch in die Tat umsetzt. Landrat Gernot Schmidt pflichtete dem Grundtenor bei. "Ich kann die Hinhaltetaktik des Landes nicht mehr hinnehmen", sagte Schmidt mit Blick auf die seit Jahren ausstehende Entscheidung um den möglichen Passagierflugbetrieb mit großen Maschinen auf dem Neuhardenberger Flugplatz. Ryanair hat daran immer noch Interesse, versicherte Flugplatzbetreiber Dieter Vornhagen, der wie viele in der Region längst politisches Kalkül hinter dem Hinauszögern von Entscheidungen sieht. Landrat Schmidt wurde deutlicher: "Es fehlt der grundlegende Wille des Ministerpräsidenten", formulierte er. Und auch, dass es mit den Entscheidungen zum Schönfelder Flughafen Klarheit gebe, so dass Neuhardenberg jetzt partnerschaftlich in das Konzept einbezogen werden könne. "In der neuen Landesplanung hat der Flugplatz Neuhardenberg seinen Platz zu bekommen", forderte Schmidt.

Mit der Entwicklung auf dem Flugplatz verknüpfen nicht nur die Neuhardenberger große Hoffnungen. 2500 Bewerbungen liegen bereits für den Fall vor, dass Flugbetrieb in größerem Umfang samt all seiner wirtschaftlichen Nachfolgewirkungen aufgenommen werden kann. Damit verbundene Hochtechnologie könnte zukunftsfähige Arbeitsplätze in die Region Neuhardenberg mit Wirkung auf die Region zwischen Frankfurt und Schwedt bringen, in der, wie Landrat Schmidt anmerkte, entgegen anderer Regionen im Landkreis, die Menschen ein geplantes Infrastrukturvorhaben in der Mehrzahl befürworten.

In Neuhardenberg sieht man es als eine Art letzte, aber große Chance. Längst sind allenthalben die Symptome der wirtschaftlichen Stagnation zu spüren. REWE-Markt Chef Dieter Palm hat bei seiner Kundenstatistik feststellen müssen, dass die Gruppe der 20- bis 45-Jährigen kaum mehr existiere, "gerade jene, die wirtschaftlich hier etwas ausrichten könnten". Unternehmen der Region würden sich längst nicht mehr als Konkurrenz sehen, sondern versuchten durch gemeinsames Agieren zusammen zu überleben. "Wer will hier schon leben, wenn es gar keine Versorgungseinrichtungen, Ärzte, Schulen und anderes mehr gibt?", fragte Palm. Katrin Tenner vom Kinderring Neuhardenberg schilderte, dass zwei Drittel der Jugendlichen, die heute zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, Neuhardenberg verlassen haben. Die Mehrzahl lebt in den alten Bundesländern oder im Ausland. Auch die Neuhardenberger Senioren wurden deutlich. Zwar verstünden sie, dass die jungen Leute ihr Glück woanders suchen, aber wenn nichts passiere, gäbe es bald nur noch Alte, die von ihren Familien abgetrennt seien.

Dies alles könne man nicht mehr schön reden, erklärte Uwe Hädicke, Sprecher der Bürgeraktion Pro Flughafen. Man müsse endlich dagegen etwas tun. Arbeitsplätze würden Menschen hier halten, Einkommen schaffen und ein lebenswertes Oderland ermöglichen. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg und der Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft sagten ihre Unterstützung zu, als die Anwesenden ihre Forderungen formulierten. So solle sich die Landesregierung ehrlich zur Zukunft des Oderlandes und zur Entwicklung seiner Potenziale bekennen und mündliche Zusagen nicht länger nur Lippenbekenntnis bleiben lassen. Dem Ministerpräsidenten solle ein Beauftragter der Landesregierung zur Seite gestellt werden, der sich - vergleichbar mit dem Bundesbeauftragen für die neuen Bundesländer - kompetent und ernsthaft um die Entwicklung der berlinferne Oderlandregion kümmere.

Märkische Oderzeitung, Samstag, 11. November 2006 (08:05)
Neuhardenberger reden auf der ILA erstmals mit Berlinern

Schönefeld/Neuhardenberg (uh/MOZ) Der Flugplatz Neuhardenberg präsentiert sich derzeit erstmals mit einem eigenen Stand auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA. Flugplatzchef Dieter Vornhagen zeigte sich bisher zufrieden. Zur Messehalbzeit war der größte Erfolg der Empfang des Landrates Gernot Schmidt. Gemeinsam mit dem Kreistagsvorsitzenden Wolfgang Heinze und Dieter Vornhagen warb der Verwaltungschef für Investitionen in Neuhardenberg und Märkisch-Oderland.

Neben dem Interesse der in- und ausländischen Medien kamen wichtige Wirtschaftkapitäne und politische Entscheidungsträger der Bundes- und Landesebene der Einladung der Bürgerinitiative Pro Flugplatz nach, so deren Sprecher Uwe Hädicke. "Wir haben uns besonders gefreut, dass nicht nur Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns und der Staatssekretär im Infrastrukturministerium Reinhold Dellmann den Weg an unseren Stand gefunden haben", so der Sprecher. "Erstmals hat sich auch Berlins Wirtschaftssenator und Bürgermeister Halrald Wolf mit uns zu diesem Thema unterhalten."

Aber auch Vertreter der polnischen, chinesischen und russischen Luftfahrt hätten nachgefragt. Mitstreiter der Bürgeraktion Pro Flughafen Neuhardenberg haben an allen Messetagen den Auftritt des Unternehmers tatkräftig unterstützt. "Besondere Freude herrschte, als der Ex-Marxwalder Sigmund Jähn unseren Stand besuchte und allen Akteuren aus Märkisch-Oderland viel Erfol wünschte", berichtet Hädicke.

Dieter Vornhagen und sein Team nutzen die ILA auch für die Tourismuswerbung. Der Tourismusverband MOL lieferte dazu Material direkt an den Stand. Geworben wird auf der ILA auch für die 1. Deutsch-Polnische Flugschau zu Pfingsten 2006 in Neuhardenberg.

Märkische Oderzeitung, Donnerstag, 18. Mai 2006 (19:31)
Flugplatzurteil weckt neue Hoffnungen

Neuhardenberg (dos/MOZ) "Wir sind froh, dass endlich ein Urteil gefällt worden ist", freute sich gestern der Sprecher der Bürgerinitiative Pro Flughafen Uwe Hädicke. Es sei der Bürgerinitiative nie darum gegangen, gegen Schönefeld zu arbeiten. Insofern freue man sich für die Entscheidung zugunsten des Großflughafens. "Schönefeld muss an den Start gehen können", sieht es auch der Neuhardenberger Flugplatzbetreiber Dieter Vornhagen. Aber es sollten nun endlich alte Denkmodelle auf den Prüfstand. Er biete weiterhin Kooperation mit Schönefeld an.

Hier sieht auch die Bürgerinitiative ein reales Potenzial. "Das Urteil enthält Auflagen, zum Beispiel das Nachtflugverbot", macht Hädicke deutlich. Einige Gebiete dürften nicht überflogen werden. Hier könne und müsse jetzt die Kooperation beginnen. "Sonst greifen anderen Flughäfen wie Leipzig zu und unsere Region geht leer aus." Man setze darauf, dass Ministerpräsident Matthias Platzeck nun endlich sein Versprechen einlöst, dass er der Initiative am 16. April 2005 bei seinem Besuch auf dem Flugplatz gegeben hatte. Den Akteuren war die Bildung einer interministeriellen Arbeitsgruppe zugesagt worden, die sich mit der Gesamtproblematik beschäftigt. Bis heute gibt diese Gruppe nicht.

"Jetzt besteht Klarheit. Jetzt kann die Landesregierung locker und mit Augenmaß die Sache betrachten", sieht es Uwe Hädicke. Man müsse endlich den Kleingeist ablegen und gemeinsam das Beste für die gesamte Region herausschlagen.

Heute wird sich der Sprecher und auch Landrat Gernot Schmidt auf der Baumesse in Frankfurt (Oder) mit Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns treffen. Dort werde man das Thema anschneiden und um ein internes Treffen in Neuhardenberg bitten.

Donnerstag, 16. März 2006 (18:47)
NEUHARDENBERG / Ryanair will östlich der Hauptstadt ein Drehkreuz aufmachen. Doch die Politik fürchtet Konkurrenz für Schönefeld
Ein ganzes Dorf sehnt sich nach Lärm

Der Berliner Airportstreit geht am Dienstag wieder vor Gericht. Vom Ergebnis hängt für Unternehmer Dieter Vornhagen viel ab: 600 Jobs in der Provinz.
MURIEL BÜSSER

Ryanair. Dieter Vornhagen kann den Namen schon nicht mehr hören. Wenn von seinem Flugplatz in Neuhardenberg die Rede ist, fällt immer sofort auch der Name der irischen Billigfluglinie. „Ryanair ist unser Brandbeschleuniger“, sagt Vornhagen dann. „Die würden die Entwicklung hier verzehnfachen. Aber das ist nicht Neuhardenberg.“ Der kleine grauhaarige Mann Anfang 50 braucht keinen Satz Anlauf, um sich in Rage zu reden. Wenn es einmal nicht die Politiker sind, die ihn aufregen, dann eben die Journalisten, die über seine Lage falsch berichten.

Was aber ist Neuhardenberg? Das 3200-Seelen-Dorf, etwa 80 Kilometer östlich von Berlin, unterscheidet sich in zwei Merkmalen von anderen märkischen Dörfern mit eng bepflanzten Alleen und Kopfsteinpflaster: Es besitzt ein Schloss und einen Flugplatz. Das erste brachte den Ort in die Schlagzeilen anlässlich zweier Kabinettsklausuren 2003 und 2004. Der Flugplatz erlebte den letzten größeren Rummel während des Oderhochwassers 1997 als Drehkreuz der Sandsackflieger.

In diesen kalten Januartagen scheint der Flugplatz Winterschlaf zu halten. Über dem 700-Hektar-Gelände liegt märchenhafte Stille, die Rollbahn bedeckt eine dicke Eisschicht, kein Mensch ist zu sehen. Fast überraschend entpuppt sich ein zweistöckiger Betonklotz am Geländerand als normal bevölkertes Bürogebäude. In sparsam geheizten Fluren hängen Flugzeugfotos. Im Büro des Geschäftsführers Vornhagen steht eine kleine Propellermaschine aus Holz im Regal. Darunter ein Foto, das eine Menschengruppe vor einem Flugzeug mit Ryanair-Aufschrift zeigt. Auf einem eingelegten Papier dankt die Bürgeraktion Pro Flughafen Neuhardenberg für die Unterstützung Vornhagens bei ihrer Reise nach Dublin.

Dessen Erzählwut kennt keine Pausen. „Die wollen das entweder nicht verstehen oder können es nicht.“ Vornhagen hat sich inzwischen doch auf die Politiker eingeschossen, die ihm Steine in den Weg legen, seit er im Sommer 2002 mit Ryanair handelseinig war. „Die Politik sagt: Wer will schon in dieses Dörflein und da losfliegen? Billigstandort Neuhardenberg – alles Blödsinn.“ Ryanair habe nicht vor, in Konkurrenz zu den Berliner Flughäfen hier die fünfzigste Linie nach London oder Paris anzubieten. Die Iren planen ein Drehkreuz nach Osteuropa. „Hier sollen Touristen herangeflogen werden, mit frischen Euros, die der ganzen Region gut tun würden.“

Doch noch gibt es kein Touristendrehkreuz mit einer Million Passagiere pro Jahr. Die Gemeinsame Landesplanung der Länder Berlin und Brandenburg versagt dem Flugplatz die Genehmigung für den gewerblichen Betrieb. „Die Landesplanung sagt: Es darf nur den Standort Schönefeld geben, und alles andere soll sich nicht entwickeln“, erklärt Vornhagen seine Sicht der Dinge. Er schenkt sich eine Tasse Kaffee aus einer Plastik-Thermoskanne ein, ohne dabei seinen Redeschwall zu unterbrechen.

„Zufällig sind aber die Länder Berlin und Brandenburg, die dieses Gesetz erlassen haben, neben dem Bund Eigentümer des zu schützenden Projektes. Der Staat versucht also, mittels seiner Behörden sich lästige Konkurrenz vom Leibe zu halten. Das ist das dollste Ding, das man sich vorstellen kann.“ Die Betreibergesellschaft von Vornhagen ist folglich gegen die Genehmigungsverweigerung vor Gericht gezogen .

Und so sitzt Vornhagen zwar auf einem erstklassigen Flugplatz mit einer sechs Meter tief in den Boden hineinbetonierten Landebahn, besitzt aber nur eine Fluggenehmigung für Flugzeuge bis 20 Tonnen beziehungsweise 24 Meter Spannbreite. „Dabei könnte selbst ein Jumbo mit 200 Tonnen hier landen. Die Belastung der Bahn gibt das her, nur die Politik gibt das nicht her.“

Der Flugplatz existiert seit 1934. Den letzten Schliff erhielt er in den fünfziger Jahren, als die DDR-Regierung den in Marxwalde umgetauften Ort mit millionenschweren Investitionen zur Basis der NVA-Luftstreitkräfte machte. Die Entscheidung kam nicht von ungefähr. „Neuhardenberg hat beste meteorologische Voraussetzungen fürs Fliegen“, erklärt Vornhagen. „Hier gibt es besonders günstige Windbedingungen und nur 25 Schlechtwettertage im Jahr. 50 Kilometer weiter sind es 75.“ Dennoch:Nach der Wende wurde Neuhardenberg noch kurzzeitig als Hafen der Beamtenshuttleflüge von und nach Bonn genutzt – und eben während des Oderhochwassers.

In Vornhagens Büro, das ein riesiger hellbrauner Schreibtisch fast vollständig füllt, blinzelt die schwache Wintersonne. „Sicher wird unser Verfahren Erfolg haben“, sagt Dieter Vornhagen, und es klingt nicht hoffnungsfroh, sondern kopfschüttelnd darüber, dass jemand etwas anderes denken könnte. „Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass es so etwas in der Bundesrepublik Deutschland nicht geben kann.“ Er fordere doch schließlich nichts von der öffentlichen Hand:keine Infrastruktur, keine Fördergelder, nichts. „Das läuft hier alles privat. Der Staat muss nichts machen, und hier entstehen 500 Arbeits- und 120 Ausbildungsplätze vom ersten Tag an.“

Dennoch:Ryanair, darauf legt Vornhagen viel Wert, ist nicht alles. „Neuhardenberg hat durch die Hunderte von Millionen, die die DDR-Regierung hier reingesteckt hat, eine Infrastruktur, die Ryanair allein gar nicht nutzen könnte.“ Auf dem Gelände, das etwa dreieinhalbmal so groß ist wie das Fürstentum Monaco, stehen 268 verschiedene Gebäude mit über 300000 Quadratmeter Nutzfläche.

Dieter Vornhagen erfüllt die Bezeichnung Unternehmer so wörtlich, wie es nur geht. „Produktion sowie Forschung und Entwicklung – das sind die Notwendigkeiten, die wir hier im Osten des Ostens brauchen.“ Er sprudelt vor Ideen für sein Riesengelände, und es ist nicht leicht zu erkennen, ob diese bereits umgesetzt, in der Planung oder ihm auch nur gerade eben erst eingefallen sind.

In diesem Teil entsteht das erste deutsche Recyclingzentrum für die Wiederverwertung von Altflugzeugen“, erklärt Vornhagen, reicht eine DIN-A4-Karte des Flugplatzgeländes herüber und beugt sich so weit es geht über den überdimensionierten Schreibtisch. „Hier steht mit 60 mal 60 Metern der zweitgrößte Hangar Ostdeutschlands. Der gibt drei Großflugzeugen gleichzeitig Platz.“

Er erzählt von einem Unternehmen, das Aluminiumschaum auf seinem Gelände entwickelt, und einem Forschungszentrum für Leichter-als-Luft-Technologie. Wolfgang von Zeppelin, so ist der örtlichen Presse zu entnehmen, plant hier eine Werft, in der bis 2013 mindestens zwölf Großluftschiffe entstehen sollen. „Die Anträge sind schon gestellt“, sagt Vornhagen. Des Weiteren ist von einer Pilzfarm die Rede, einem Holzkontor, einer Hovercraft-Teststrecke und einer Solarkraftanlage. Ein Biomassekraftwerk sei geplant sowie eine Biogastankstelle – die Verträge mit Europas größtem Anbieter seien soeben unterschrieben.

Unweit des Geschäftsführungsbüros wirbt ein gelb-grüner VW-Käfer auf einem Container für eine Publikumsattraktion: eine Kart-Bahn, die zurzeit allerdings eher einer Eisschnelllauf-Rennstrecke gleicht. Von der B 167, die das Gelände quert, weist ein Hinweis zum Schulungszentrum der Brandenburger Polizei, die einen Teil der Startbahn für Fahrsicherheitstrainings nutzt.

Auf der anderen Seite der Bundesstraße prankt vor einem großen Betonklotz ein Schild mit der Aufschrift:„Hier entsteht das Airport Hotel Neuhardenberg“ – laut Vornhagen ein ehemaliges Junggesellenheim, das von seinem Bau her exakt dem Messehotel Frankfurt (Oder) entspricht. „Wenn hier einmal planmäßiger Passagierverkehr stattfindet, brauchen wir neunzig Tage, um da ein 160-Betten-Hotel stehen zu haben.“

Ein bisschen Flugbetrieb gibt es natürlich auch jetzt schon – Vornhagen spricht von 10000 Flugbewegungen im Jahr: Privatflieger, Flugschulen et cetera. „Hier können jederzeit Flugzeuge landen – nur eben nicht gewerbsmäßig“, erklärt er.

Insgesamt hat der Unternehmer bereits 81 Arbeitsplätze geschaffen. „Diesen Montag haben 24 Leute hier eine Ausbildung zum Laserschweißen angefangen.“ Das hat auch etwas mit der Aluminiumschaum-Geschichte zu tun, ganz genau scheint es aber auch Vornhagen nicht zu wissen. „Ich bin Kaufmann. Ich weiß nur, dass wir unsere Infrastruktur gut anpassen müssen, um sie dann zu vermieten.“

Und das ist in dieser Gegend durchaus gefragt. Denn Geld fürs Bauen hat hier erst einmal niemand. „Sie kriegen von den überregionalen Banken für den Osten des Ostens keinen Pfennig Geld“, weiß Vornhagen. Also sucht er sie mühsam zusammen, seine Mieter: einen Bootsbauer etwa oder den kleinen „Schrauber“, der in einem seiner Gebäude „irgendwelche Autos für Rennen“ umbastelt.

Ob es schwierig ist, Investoren zu finden? Vornhagen hält für einen kurzen Moment inne und seufzt dann ein entschiedenes „Ja“ heraus. Es klingt aber nicht resigniert, eher angespornt ob der gewaltigen Aufgabe. „Am Anfang war mein Drive nicht in der Lage, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit der Leute zu durchbrechen.“ Die Menschen hätten erst mit der Zeit den Mut gefunden zu sagen: Ich kann das, und ich mache das auch.

Ende der neunziger Jahre war er zum ersten Mal in Neuhardenberg – ein „sozialer Brennpunkt“ mit Bretterzaun vor dem verfallenden Schloss. Zu Hause in Dortmund hatte Vornhagen in der Zeitung gelesen, dass der Sparkassen- und Giroverband 120Millionen Mark in die Renovierung des Schlosses stecken will. „Wenn so ein großer Verband sich aus Hunderten von Möglichkeiten diesen Ort aussucht, dann hat der Gründe, und die wollte ich sehen“, erzählt Vornhagen. „Und dann bin ich die 600 Kilometer hergefahren und habe festgestellt, dass hier noch mehr ungeschliffene Juwelen liegen.“

Das war die Entscheidung. Nach einem langwierigen Bieterverfahren mit dem Bund gehörte der Flugplatz im Jahr 2000 ihm, beziehungsweise der eigens dazu gegründeten Projektgesellschaft Grundwert Brandenburg. Durch Immobilienverkäufe erwirtschaftete die GmbH den Kaufpreis und die Investitionen, die seither in das Gelände flossen – in den letzten drei Jahren laut Vornhagen sieben bis acht Millionen Euro.

Die Einwohner Neuhardenbergs danken es ihm mit Engagement. Vor zwei Jahren gründeten einige von ihnen die Aktion Pro Flughafen, die inzwischen rund 60 Leute umfasst. Sie fordern vom Land die Fluggenehmigung und setzen große Hoffnungen in Ryanair. Im vergangenen Dezember flog eine Delegation nach Dublin zum Stammsitz der Fluggesellschaft. „Wir müssen den Investor pflegen“, sagt Mario Eska, Mitbegründer der Initiative und ehrenamtlicher Bürgermeister von Neuhardenberg. „Der Wirtschaftsminister macht das ja nicht. Der verschreckt die eher.“

Eska ist wie ein gutes Viertel seiner Mitbürger hauptamtlich arbeitslos. Er weiß, dass Fluglärm nicht jedermanns Sache ist, aber in Neuhardenberg liegen die Dinge eben nun mal anders. „Die Gegend ist mit dem Flugplatz verwurzelt. Der Fluglärm ist Musik in unseren Ohren, weil er Arbeitsplätze schafft.“ Niemand, außer vielleicht ein paar Berlinern, die sich hier ein Wochenendhäuschen gekauft haben, hätte mit dem Fluglärm Probleme. „Zu DDR-Zeiten flogen hier ja die sowjetischen Migs. Da war der Lärm richtig penetrant.“

Auch das Know-how ist noch vorhanden. Noch. Eska weiß von einem aus dem Ort, der heute einen Job am Flughafen Osnabrück hat. „Der würde natürlich viel lieber hier arbeiten.“ Der Bürgermeister kann die ganze Geschichte rund um den Ausbau von Schönefeld und all die damit verbundenen Klagen inzwischen herunterbeten. Verstehen kann er sie nicht. „In Schönefeld werden Kartoffeläcker aufgekauft für neue Rollbahnen, und wir sollen hier einen bestehenden Flugplatz zum Kartoffelacker machen.“

Ob es so kommt, werden nun Richter entscheiden. „Die Politiker sind nicht mehr in der Lage, dieses Knäuel, das sie angerichtet haben, zu entwirren“, resümiert Vornhagen. Das oberste Gericht müsse endlich für Klarheit sorgen. „Dann wissen wir alle Bescheid, und die Politiker können sagen, hab ich ja nicht gemacht, haben die da oben gemacht.“ Wenn die Genehmigung tatsächlich kommt, könne Ryanair innerhalb von sechs Wochen losfliegen. „Aber egal, wie die Entscheidung ausgeht“, sagt der Unternehmer dann noch trotzig und ein bisschen kitschig: „Neuhardenberg wird es immer geben.“

© Rheinischer Merkur Nr. 5, 02.02.2006   vollständige Url des Artikels: http://www.merkur.de/10298.0.html?&no_cache=1
Neuhardenberg ist noch nicht abgeschrieben

Von Doris Steinkraus
Neuhardenberg/London (MOZ) Wie MOZ berichtete, trafen sich Mitglieder der Bürgerinitiative Pro Flughafen Neuhardenberg mit einer Vertreterin der irischen Fluggesellschaft Ryanair in London. Man wollte aus erster Hand erfahren, wie das Unternehmen zu seinem Engagement für den Flugplatz Neuhardenberg steht. Zugleich wollten die Neuhardenberger den Billigflieger einmal selbst testen. MOZ begleitete die Gruppe.

Anfangs läuft alles wie bei jeder anderen Fluggesellschaft auch. Jeder muss den Sicherheitscheck absolvieren. Die Boeing mit London-Stansted als Zielflughafen ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. 187 Passagiere bewegen sich zu Fuß aus einem der unteren Abfertigungsterminals direkt zum Flugfeld. Es ist der erste Hinweis, dass einiges anders läuft als beim üblichen Flieger. Es gibt auch keine Platznummern. Die Passagiere suchen sich ihren Sitz. Trotzdem drängelt niemand.

Es gibt keine Zeitungen und auch keine kostenfreie Bordverpflegung. Das aber weiß man, wenn man mit einem Billigflieger unterwegs ist. Im zweiten Teil des Fluges bieten die Flugbegleiterinnen Bus-Tickets für London an. Viele nutzen den Service. Das spart später Zeit. Anders als im gewohnten Flieger sammelt das Team auch sämtlichen Abfall sofort selbst wieder ein, ebenso die Bordmagazine. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten landet die Boeing sicher in Stansted. Es ist einer der fünf Flughäfen der Weltmetropole. Gut eine Stunde geht es mit dem Bus (Ticket für 20 Pfund) in die Stadt.

Stansted, so erfahren die Oderländer beim Gespräch mit Katja Zarbock, der stellvertretenden Verkaufsleiterin von Ryanair für Deutschland, ist die europäische Drehscheibe der irischen Fluggesellschaft. 83 Strecken fliegt Ryanair ab Stansted. 99 ebenerdige Gates gibt es hier. Nach dem Sicherheitscheck wird man, wie von unsichtbarer Hand gelenkt, per U-Bahn zu seinem Gate befördert. Größe ist wichtig, weil nur so die geforderten Abläufe in einem bestimmten Zeitrahmen realisierbar sind, erklärt Katja Zarbock. Allerdings gehe es nicht um Größe um jeden Preis. Sie meint das Projekt Großflughafen Berlin-Schönfeld. Noch finde Ryanair hier die Bedingungen, die das Unternehmen brauche. "Nach 25 Minuten müssen unsere Maschinen wieder in die Luft gehen", erklärt sie die Firmenphilosophie. "Damit schaffen wir täglich zwei Flüge mehr als andere Gesellschaften und können die immer mehr gefragten niedrigeren Preise ermöglichen." Werde in Berlin ein ähnliches Monstrum wie Frankfurt/Main entstehen, sei das das Aus für die Billiganbieter. Dann könnten die Flughäfen diese Zeiten nicht mehr sichern. "Und Pünktlichkeit ist A und O für uns. Wir suchen dann natürlich Alternativen." Eine solche könnte auch Neuhardenberg sein, sagt die Ryanair-Vertreterin. Sie macht allerdings auch klar: "So lange die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, wird es keine weiterreichenden Verhandlungen geben." Das Unternehmen sei mit vielen Regionen in Europa im Gespräch. Bis 2012 soll die Zahl der Passagiere - derzeit sind es 35 Millionen - verdoppelt werden. Das heiße, es werden auch neue Landemöglichkeiten gesucht.

Wenn es für Neuhardenberg keine Genehmigung gibt, wird sich der Billigflieger andere Partner suchen. Wobei das Engagement der Oderländer schon etwas Besonderes sei, räumt die Sprecherin ein. Noch nie habe es den Fall gegeben, dass Fürsprecher eines Flugplatzes sogar nach London kommen. Sie habe großen Respekt vor so viel Engagement. Man dürfe allerdings nicht erwarten, dass es seitens des Unternehmens Aktivitäten geben wird. Das müsse schon in Deutschland selbst ausgehandelt werden. Da man derzeit in Schönefeld noch gut zurecht kommt, sehe Ryanair keine akute Entscheidungsnot, auch nicht bezüglich eines Alternativflugplatzes.

Man sei aber durchaus daran interessant, weiter über den Stand der Dinge informiert zu werden. Das sichern die Neuhardenberger nur zu gern zu. Denn Katja Zarbock bestätigt auch die schon oft genannten Arbeitsplatzaussichten. "Bei 100 000 Passagieren rechnet man mit 100 Arbeitsplätzen." In Frankfurt-Hahn wolle man bis 2012 die Zahl der Fluggäste von derzeit drei auf dann acht Millionen erhöhen. "Das heißt, wir sichern dann um die 8000 Arbeitsplätze." Bei den für Neuhardenberg anvisierten 500 000 Passagieren wäre Ryanair mehr als ein Hoffnungsschimmer. Es wäre ein große Chance. Diese Hoffnung nehmen die Oderländer mit nach Hause.Märkisch-Oderland (dos/MOZ) Die Bürgerinitiative hatte in ihrem Gepäck auch ein Schreiben des Landrates Gernot Schmidt für die Fluggesellschaft Ryanair. Der Sprecher der Initiative übergab es mit einem ebenfalls vom Landrat mitgeschickten Kalender mit Impressionen aus dem Landkreis. In dem Schreiben des Verwaltungschef heißt es u.a.: "Unser Landkreis ... unterstützt seit Jahren den Betreiber des Airports Neuhardenberg und die Initiative von Bürgern, den Flugplatz einer zivilen Nutzung mit Passagiermaschinen zuzuführen." Die flugtechnischen Voraussetzungen seien vorhanden. Der Airport-Betreiber erhalte vom Landkreis und auch dem Kreistag jegliche Unterstützung, dass die Genehmigung zum Starten und Landen von Flugzeugen des Typs Boeing 737-800 durch die Landesregierung Brandenburg erteilt werde. "Neben dem Weg über eine gerichtliche Klärung dieses aus unserer Sicht lösbaren Problems bemühen sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft darum, dem Airport Berlin-Schönefeld ein Kooperationsmodell vorzuschlagen und einen ähnlichen Weg wie die FRAPORT mit den Flughäfen Frankfurt/Main und Frankfurt-Hahn zu gehen. Ich darf Ihnen das Wohlwollen einer ganzen Region und die uneingeschränkte Unterstützung meiner Verwaltung versichern. Meine Hoffnung teilt sich mit der Tausender Menschen der Region, dass Sie Ihr Ansiedlungsinteresse in Neuhardenberg aufrechterhalten und wir gemeinsam die noch bestehenden Hindernisse zeitnah beseitigen."

Die Bürgerinitiative konnte in London darüber informieren, dass es sogar einen Kreistagsbeschluss für den Flugplatz gibt. Auch die Regionale Planungsgemeinschaft sieht die Entwicklungspotentiale auf dem Areal des einstigen Armeeflugplatzes.Neuhardenberg (dos/MOZ) "Mehr konnte man mit Blick auf die derzeit vorhandenen Rahmenbedingungen nicht erwarten", so der Kreistagsvorsitzende und Landtagsabgeordnete (Die Linke.PDS) Wolfgang Heinze nach dem London-Flug. Manches wurde bestätigt, einiges versachlicht. Aber es gab auch Hoffnung. Die haben viele aus der Gruppe. Wie die 43-jährige Sabine Töpfer. Seit 1999 sucht die Verwaltungsfachangestellte einen Job. Sie hat sich mit Zwischenbeschäftigungen über Wasser gehalten. "Man muss doch was machen", sagt sie. Für sie heißt das nicht nur Zuhören, sondern auch Plakate drucken, Protokolle schreiben, Leute ansprechen.

Für ihre 18-jährige Tochter Nadine hat es sich bereits ganz konkret ausgezahlt, dass sie etwas tut. Noch als Schülerin stieg sie vor eineinhalb Jahren in die Bürgerinitiative ein. Mit anderen sammelte sie Unterschriften für den Flugplatz - insgesamt sind es schon 13 000 - und übernimmt viele Aufgaben. Trotz Realschul-Notendurchschnitt "Gut" schrieb sie umsonst Bewerbungen. "Es waren fast 70", erzählt sie. Von vielen habe sie nicht einmal eine Absage erhalten. Als Flugplatzbetreiber Dieter Vornhagen sich für einen neuen Azubi Bürokauffrau entscheiden konnte, überlegte er nicht lange. Er kannte die junge engagierte Neuhardenbergerin und gab ihr die Chance.

Andere haben es schwerer wie etwa Achim Dyballa, der mit seinen 52 Lenzen schon zu jener Generation gehört, die schwer einen neuen Job finden. 17 Jahre hat er auf dem Flugplatz gearbeitet, war allerdings schon vor der Wende wegen politischer Differenzen aus dem zivilen Beschäftigungssektor ausgestiegen. Er blieb immer mit dem Flugplatz verbunden und hofft bis heute auf eine Entwicklung, die Menschen wie ihm Lohn und Brot sichern. "Ich habe schon so viel gemacht, was ich nie gelernt habe", sagt der Neuhardenberger. "Ich lerne auch noch mal um." Er ist einer vom harten Kern der Bürgerinitiative. Die Mitarbeit gebe ihm die nötige Zuversicht, dass sich doch noch etwas verändert. "Man kommt zudem raus und erhält Hintergrundinformationen", sieht er den praktischen Nutzen in der Mitarbeit. "Es bringt ja nichts, nur zu Hause zu sitzen und zu grübeln", steht für ihn fest.

Dass Bürgermeister Mario Eska ebenfalls zum harten Kern gehört, ist für alle selbstverständlich. Er lässt keine Gelegenheit aus, um das Thema anzusprechen und für Neuhardenberg zu werben. "Dass immer noch darüber gesprochen wird, halte ich für einen großen Erfolg", sagt Eska. Dass die Bürgerinitiative bei allem gemeinsamen Kampf für den Flugplatz die Schritte des privaten Betreibers kritisch begleitet und bei Fragen das Gespräch sucht, ist für Mario Eska selbstverständlich. In der Truppe weiß jeder um den Gerechtigkeitssinn des Dorfchefs.

Längst geht es nicht nur um die Hoffnungen vieler Neuhardenberger. 2000 Bewerbungen liegen derzeit vor, bestätigt Heiko Schlotte, Mitarbeiter des Betreibers. "Alle Papiere sind gesichtet. Personal wäre genügend da." 2006 soll nun die Entscheidung bringen. Ob es die erhoffte wird, bleibt abzuwarten. Das Unternehmen Ryanair wurde 1985 vom irischen Unternehmer Dr. Tony Ryan gegründet.

1997 begann Ryanair nach der Deregulierung des EU-Luftverkehrs mit der Expansion nach Kontinentaleuropa. Seit dem 14. Februar 2002 ist Frankfurt-Hahn als deutsche Basis im Ryanair-Flugplan.

Das Unternehmen fliegt 97 Destinationen in 19 europäischen Staaten. Es sucht sich bewusst Zielflughäfen nach dem Preis aus. Zweites wichtiges Kriterium ist die Möglichkeit, die kurzen Standzeiten (25 Mitnuten) zu garantieren.

Ryanair besitzt ausschließlich Flugzeuge der modelle Boeing 737-200 und -800 und plant, bis zum Jahr 2012 insgesamt 150 neue Boeings zu kaufen.

Das Unternehmen ist eine Aktiengesellschaft, deren Aktien an Börsen in Dublin, London und New York gehandelt. Wichtigste Basis ist der Londoner Flughafen Stansted. Daneben gibt es elf weitere Basen.

In Deutschland fliegt Ryanair sieben Flughäfen an - Altenburg-Nobitz (Altenburg-Leipzig), Berlin-Schönefeld, Frankfurt-Hahn, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden, Lübeck (Hamburg-Lübeck) und Weeze-Laarbruch (Düsseldorf-Weeze).

Zwischen dem Vereinigten Königreich England und Irland hat Ryanair die Funktion der Fähren übernommen, besitzt die größten Marktanteile. Es werden auch große Flugplätze bedient.

Regelmäßig liefert sich Ryanair juristische Schlachten wegen unlauteren Wettbewerbs, weil es. z.B. für kleine Regionalflugplätze mit Namen von Städten wirbt, die bis zu 100 km entfernt sind. Bisher hat Ryanair alle Verfahren gewonnen.

Dienstag, 13. Dezember 2005 (07:52)
 
Gericht setzt Verfahren um Flugplatz Neuhardenberg aus
von Dieter Salzmann
Neuhardenberg/Berlin -

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) hat den Prozeß um das Genehmigungsverfahren für den Ausbau des Flugplatzes Neuhardenberg (Landkreis Märkisch-Oderland) ausgesetzt. Zunächst soll die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig über die strittige Planung für den Ausbau des Flughafens Schönefeld abgewartet werden, so OVG-Präsident Jürgen Kipp gestern. Beide Prozeßbeteiligte, die Flugplatzgesellschaft Neuhardenberg und die Vertreter des Landes Brandenburg, hatten sich zuvor auf die Aussetzung verständigt.

Die Flugplatzgesellschaft will Neuhardenberg, einen ehemaligen NVA-Flugplatz, zu einem Drehkreuz für die Billig-Fluglinie Ryanair ausbauen. Die Fluggesellschaft hat vor, von diesem Standort aus europäische Ziele in einer Reichweite von bis zu 90 Flugminuten mit Maschinen von der Größe einer Boeing 737 (bis zu 189 Passagiere) anzufliegen. Flugplatzbetreiber und Ryanair rechnen mit einem Passagieraufkommen von bis zu einer Million Fluggästen pro Jahr. Hierfür soll der Flugplatz u. a. ein neues Terminal erhalten. Das Land Brandenburg verweigerte jedoch die Genehmigung des Vorhabens, durch das etwa 500 Arbeitsplätze entstehen sollten. Es befürchtet eine Konkurrenz für den Flughafen Schönefeld, der zum zentralen Single-Airport für Berlin und Brandenburg ausgebaut werden soll. Richter Kipp hatte während des Prozesses mehrfach darauf hingewiesen, daß der 12. Senat keine Aussichten sehe, der Klage Neuhardenbergs zu entsprechen, auch wenn er das geschäftliche Konzept für schlüssig halte. Das Oberverwaltungsgericht in Frankfurt (O.) hatte im Februar den für den Schönefeld-Ausbau notwendigen Entwicklungsplan für unwirksam erklärt. Über den Entwicklungsplan für Schönefeld - und damit auch indirekt über Neuhardenberg - befindet nun das Bundesverwaltungsgericht. OVG-Präsident Kipp: "Wir müssen auf das entscheidende Wort aus Leipzig warten, alles andere hat keinen Sinn."

Artikel erschienen am Fr, 11. November 2005
© WELT.de 1995 - 2005
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Neuhardenberger Billigflieger weiter in der Warteschleife

Berlin (MOZ) Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat am Donnerstag den Rechtsstreit über den Flugplatz Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) ausgesetzt. Zunächst soll eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts über ein Revisionsverfahren zum Flughafen Schönefeld abgewartet werden. Die Billigfluglinie Ryanair möchte mit großen Passagiermaschinen von Neuhardenberg aus starten. Brandenburg versagte bisher die Genehmigung, weil es Konkurrenz zum künftigen Großflughafen Schönefeld befürchtet. Der Neuhardenberger Flugplatz-Betreiber Dieter Vornhagen zeigte sich trotz der verzögerten Entscheidung optimistisch. Die Verhandlung vor dem Oberverwaltunsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) hätte nicht besser laufen können, sagte er. Auch sein Rechtsanwalt Jörg Beckmann gab sich zufrieden. „Der Senat teilt unsere Rechtsauffassung in den wichtigsten Punkten.“

Ursprünglich waren Vornhagen und Beckmann mit dem Ziel angetreten, vor Gericht eine klare Entscheidung zu erreichen, ob der Standort Neuhardenberg für den Billigflieger Ryanair ausgebaut werden darf oder nicht. Nach den Plänen der Betreibergesellschaft sollen 500 Arbeitsplätze entstehen. Das Land Brandenburg weigert sich bislang die Pläne des Unternehmers umzusetzen. „Der Ausbau ist nicht mit der Landesplanung vereinbar und deshalb nicht genehmigungsfähig“, argumentiert Rechtsanwalt Carsten Bethke als Vertreter für das Landesamt für Bauen, Verkehr und Straßenwesen. Der wahre Hintergrund ist nach Ansicht von Vornhagen die Angst vor Konkurrenz. Das Land lehne Neuhardenberg ab, weil es einen Schaden für den geplanten Großflughafen in Schönefeld befürchte.

Das Oberverwaltungsgericht Frankfurt (Oder) hatte am 10. Februar die landesplanerische Grundlage für den Bau des Großflughafens Schönefeld für unwirksam erklärt. Verwaltungsrechtler sehen deshalb den Bau gefährdet. Eine Entscheidung darüber soll nun das Bundesverwaltungsgericht Leipzig im ersten Quartal nächsten Jahres fällen.

„Es macht Sinn, auf diese Entscheidung zu warten“, sagte der Präsident des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg, Jürgen Kipp.

Donnerstag, 10. November 2005 (17:46)
Neuhardenberg fordert Planänderung

Neuhardenberg (MOZ) Die Gemeinde Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) kämpft seit Jahren um die Einstufung ihres Flugplatzes als Verkehrslandesplatz. Sie hat jetzt den neuen Entwurf des "Gemeinsamen Landesentwicklungsplanes Berlin-Brandenburg Flughafenstandorte" (LEP FS) abgelehnt. Sie fordert Korrekturen. Gleichzeitig informiert sie landesweit alle Kommunen und Ämter über ihre Bedenken und Vorschläge.

"Es ist eine allgemeine Erfahrung, dass Abgeordnete offiziell abgeforderte Stellungnahmen zu Themen, die sie nicht direkt betreffen, gern mal unbedacht durchwinken", weiß Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska. Seine Gemeinde will deshalb versuchen, die Kommunalpolitiker landesweit für das Thema zu sensibilisieren.

Der Hintergrund: Im Oktober 2003 wurden mit dem Erlass einer Rechtsverordnung über LEP FS die landesplanerischen Grundlagen für die Flughafenentwicklung in Berlin und Brandenburg neu gefasst. Darin festgelegt wurde, dass Schönefeld (Dahme-Spreewald) zum alleinigen Standort für den nationalen und internationalen Luftverkehrsanschluss der beiden Länder werden soll. Mehrere Gemeinden in Brandenburg klagten gegen diesen Landesentwicklungsplan und bekamen am 10. Februar 2005 recht. Das Oberverwaltungsgericht erklärte den LEP FS für unwirksam, weil fehlerhaft. So habe das Land unter anderem der höherrangigen Planungsaussage zum raumordnerischen Leitbild der "dezentralen Konzentration" in der Abwägung nicht das nötige Gewicht eingeräumt.

Das Land strengte gegen dieses Urteil Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig an. Dort wird im Frühjahr mit einer Entscheidung gerechnet. Unabhängig davon haben Berlin und Brandenburg beschlossen, ein ergänzendes Verfahren zum LEP FS durchzuführen, um vorsorglich die durch das Oberverwaltungsgericht gerügten Fehler zu beheben. Dieses ergänzende Papier liegt jetzt auf dem Tisch. Die Kommunen sind aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Und genau hier sieht Neuhardenberg eine reale Chance, doch noch die Zulassung des Neuhardenberger Flugplatzes als Verkehrsflughafen zu bekommen. Seit Jahren wehrt sich das Land als Genehmigungsbehörde dagegen, weil Neuhardenberg als Konkurrenz zu Standort Schönefeld gesehen wird, an dem das Land Brandenburg wirtschaftlich beteiligt ist.

Die Klage des Neuhardenberger Flugplatzbetreibers gegen das Verwehren dieses Status, der großen Verkehrsmaschinen das Nutzen des Neuhardenberger Flughafens erlauben würde, wird nach mehreren Vertagungen am 10. November erneut vor dem nunmehr gemeinsamen Berlin-Brandenburger Oberverwaltungsgericht verhandelt.

Trotz alledem wird im Entwurf zum korrigierten LEP FS noch immer fast ausschließlich über den Standort Berlin-Schönfeld gesprochen. Weil man im Entwurf des LEP FS u.a. liest, dass sich zuerst alles auf Berlin und Potsdam als Entwicklungskerne konzentriere und erst in zweiter Linie der Blick auf die Zentren der dezentralen Konzentration gerichtet werde, sieht man in Neuhardenberg einen Widerspruch des Planungsentwurfes zur Landesverfassung. Nach deren Artikel 44 und 48 müsse das Land dafür Sorge tragen, dass in allen Landesteilen gleichwertige Lebens- und Arbeitschancen ermöglicht und Arbeitsplätze gefördert werden. Aus Sicht der Gemeinde schließt das ein, dass in Neuhardenberg ein Verkehrsflughafen erlaubt wird, ohne von planerischer Konkurrenz zu Schönfeld zu reden. Noch hat die irische Fluggesellschaft Ryanair Interesse daran hat, hier in Richtung Osteuropa zu starten. Ohne einen Cent Fördergelder sind für Neuhardenberg 550 Arbeitsplätze anvisiert, erklärt Flugplatzbetreiber Dieter Vornhagen unermüdlich. Im von Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau gebeutelten Oderbruch wäre das schon ein kleines Wunder.

Im Planungsentwurf aber heißt es noch immer, dass sich Flughafenbetrieb an nur einem Standort - Schönefeld - konzentrieren sollte, um unter anderem nicht zu viele Menschen in Berlin-Brandenburg mit Fluglärm zu belasten. Die Neuhardenberger monieren, dass im Raum Schönfeld zurzeit alles für einen Bauschutzbereich (vorgeschriebene Maximalbauhöhen und ähnliches rund um Flughafenareal) getan wird, um überhaupt eine Weiterentwicklung Schönefelds zu ermöglichen, während an ehemaligen Militärflugstandorten wie Finow, Cottbus und eben auch Neuhardenberg diese Bauschutzbereiche seit Jahren unverändert existieren. Ende der 90er Jahre war das Beibehalten dieser Bauschutzbereiche nach Paragraf 12 des Luftverkehrsgesetzes für ehemalige Militärstandorte festgelegt worden, worüber heute aber kaum einer mehr spricht.

Laut Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung werden solche Flugplätze als Flughäfen bezeichnet, die nach Art und Umfang des vorgesehenen Flugbetriebs einer Sicherung durch einen Bauschutzbereich nach dem Luftverkehrsgesetz bedürfen. Anders gesagt, brauchen Flugzeuge ab einer bestimmten Größe und wenn sie im Instrumentenflugverkehr betrieben werden, eine umfangreiche Hindernisfreiheit und sollten deshalb nur auf Flughäfen verkehren. Genau diese Voraussetzungen bietet das Oderland.

Die Neuhardenberger stellen den Standort Schönefeld keinesfalls in Frage. Sie sehen sich als Zubringer und als Zusatzangebot, mit dem man sich ergänzt und nicht konkurriert. Sie fordern deshalb, endlich ihren eigenen und auch andere Flughäfen in Brandenburg in die Landesplanung einzubeziehen. Erst dann wäre man in Neuhardenberg bereit, dem neuen Landesplanentwurf zur Flughafenstandortentwicklung zuzustimmen. Bis dahin aber versucht das Dorf, landesweit weitere Gemeinden als Verbündete mit ins Boot zu holen.

Dienstag, 25. Oktober 2005 (17:34)

 
Neuhardenberg hofft auf solidarische Beschlüsse

Von Silke Müller
Neuhardenberg (MOZ) Die Gemeinde Neuhardenberg hat den Entwurf des Gemeinsamen Landesentwicklungsplanes Flughafenstandortentwicklung, der zurzeit in einer vom Verwaltungsgericht geforderten neuen Fassung vorliegt, am Mittwochabend abgelehnt. Mehr noch: Die Abgeordneten waren sich einig, in einer Stellungnahme ihre Bedenken dem Land mitzuteilen - und auch allen anderen Kommunen in Brandenburg. Denn in mancher Gemeindevertretung ist es Gepflogenheit, die abgeforderte Stellungnahme zur Landesplanung einfach als Formsache unbedacht durchzuwinken. Landesweit übermitteln die Neuhardenberger jetzt den Ämtern und Kommunen per Fax und Mail ihre Stellungnahme als Anregung und Information. Barnim-Oderbruch und Letschin hatten sogar händeringend darum gebeten, weil man sich nicht so intensiv wie Neuhardenberg mit dem Thema Flughafenentwicklung befasse, aber durchaus um die Verantwortung wisse, die auch umliegende Gemeinden für die Neuhardenberger Flugplatzentwicklung hätten, informierte Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska. Seelow-Land hatte dagegen offenbar nicht den Kontakt gesucht. Dort haben einige Gemeinden bereits dem Planungsentwurf des Landes ohne weiteres zugestimmt. Nur in Vierlinden hatte der Abgeordnete Hans-Georg Nawroth leise Bedenken angemeldet. "Wenn Neuhardenberg im Plan genannt wäre, würden wir noch viel lieber zustimmen", so Nawroth, zumal das Land jetzt davon ausgehen könne, dass wir alle dafür sind, ohne dass Neuhardenberg ausdrücklich berücksichtig sei.

Neuhardenberg hat gute Gründe, den Entwurf in der jetzigen Fassung abzulehnen. So fordern die Neuhardenberger, alle Flughafenstandorte in Berlin und Brandenburg in ihrer Gesamtheit zu betrachten, nicht nur die Berliner Flughäfen. So solle und müsse der Flughafenstandort Berlin-Schönefeld zwar ausgebaut werden. Davon unabhängig sollte aber, wie in der Landesverfassung festgeschrieben, in allen Regionen des Landes gewährleistet sein, dass gleiche Arbeits- und Lebensbedingungen und damit auch mögliche neue Arbeitsplätze gefördert werden sollten. Neuhardenberg unterstützt dabei ausdrücklich das Anliegen des Neuhardenberger Airport-Betreibers, den Sonderlandeplatz in einem Verkehrsflughafen umzuwidmen. Dabei geht es den Neuhardenbergern nicht nur um eine real mit Ryanair mögliche wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch um ein sinnvolles Nutzen vorhandener Ressourcen. Unter anderem wird auf die nach Paragraf 12 des Luftverkehrsgesetzes nötigen Bauschutzbereich hingewiesen, der in Neuhardenberg als ehemaligen Militärflughafen bereits vorhanden sei. Mit diesem Bauschutzbereich automatisch verbunden sei die Möglichkeit, dass Flugzeuge ab einer bestimmten Größe und wenn sie im Instrumententflugverkehr betrieben werden grundsätzlich hohe Anforderungen an eine Hindernisfreiheit stellen und deshalb nur auf Flughäfen verkehren sollten. Solche Voraussetzungen seien in Neuhardenberg (wie auch in Cottbus und Finow) gegeben, heißt es. Würden diese Aspekte, insbesondere die Möglichkeit für Neuhardenbergs Sonderlandeplatz den Status eines Verkehrslandesplatzes zu bekommen, in den Planentwurf aufgenommen, sei Neuhardenberg bereit, der Planung zuzustimmen. Andernfalls jedoch nicht.

Freitag, 21. Oktober 2005 (19:18)
Platzeck hält Bürgeraktion hin

Neuhardenberg (dos/MOZ) Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat die Akteure der Bürgeraktion Pro Airport weiter vertröstet. Wie die Initiative am Rande der Flugschau informierte, habe Platzeck in einem Schreiben jetzt mitteilen lassen, dass er weitere Gespräche zur Zukunft des Platzes "für verfrüht" halte. Bei seinem Besuch im April in Neuhardenberg hatte er etwas anderes zugesichert. Mit ihrer Präsenz unterstrichen die beiden Landtagsabgeordneten Dierk Homeyer (CDU) und Wolfgang Heinze (PDS), dass sie sich weiter für eine Entscheidung zugunsten Neuhardenbergs stark machen werden. Die Bürgeraktion wird nach der ernüchternden Zwischeninformation aus Potsdam demnächst über weitere Schritte beraten.

Montag, 15. August 2005 (08:00)
Gericht vertagt Entscheidung über Ausbau von Flugplatz Neuhardenberg

Frankfurt (Oder) - Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Frankfurt hat die Entscheidung über den Ausbau des Flughafens Neuhardenberg gestern ohne neuen Termin vertagt. Über die Sache wird nun das gemeinsame OVG Berlin/Brandenburg befinden, das am 1. Juli in Berlin seine Arbeit aufnimmt.

Die klagende Airport Berlin Neuhardenberg GmbH will den Flugplatz im Kreis Märkisch-Oderland für den internationalen Verkehr mit Schwerpunkt Osteuropa und großen Charter-Maschinen ausbauen; die gemeinsame Landesplanungsgemeinschaft Berlin und Brandenburg ist in Hinblick auf den Großflughafen Berlin-Schönefeld dagegen. Der 3. Senat in Frankfurt gab in der mündlichen Verhandlung gestern zu bedenken, daß der Flugplatzausbau ein Planfeststellungsverfahren voraussetze. Nur so könnten die Interessen und Bedenken aller Betroffenen abgeklärt werden. jb

Artikel erschienen in "DIE WELT" am Do, 9. Juni 2005
 
Bürger von der Justiz schwer enttäuscht

Neuhardenberg (dos/MOZ) Schwer enttäuscht zeigte sich gestern die Bürgeraktion Pro Flughafen Neuhardenberg vom Ausgang des Gerichtstermins in Frankfurt (Oder). "Man liebt es in Deutschland, viele komplizierte Begriffe zu formulieren", resümierte Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska. Plötzlich sei von Planfeststellungsbeschlüssen die Rede. "Für uns steht auch etwas fest und zwar, dass in diesem Land einiges geändert werden muss, wenn wir wirtschaftliche Entwicklung wollen", so Eska. Es kranke daran, dass immer neue Hürden aufgebaut werden. Der Termin war schon eimal verschoben worden, weil das Land nicht die entsprechenden Unterlagen beigebracht hatte. Jetzt hatten alle auf den 8. Juni gesetzt. Wann es nun eine Entscheidung geben könnte, ist völlig offen. Die Bürgeraktion wollte sich gestern Abend treffen, um weitere Schritte abzusprechen. "Kapitulieren kann nur, wer einen sicheren Job hat", stand für Sprecher Uwe Hädicke fest. "Wir werden weiter kämpfen."

Donnerstag, 09. Juni 2005 (09:32)
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